„Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.“

Lukas 24,5-6

wenigen Tagen geht die Passionszeit ihrem Ende entgegen und wir freuen uns auf das Osterfest. Die langen Wintertage sind endlich vorbei. Die ganze Schöpfung blüht wieder auf. So wird uns der Frühling zu einem wunderbaren Sinnbild für die Auferstehung Jesu.

So wie in der Natur gibt es auch in unserem Leben und im Leben unserer Gemeinden Zeiten des Winters und Zeiten des Frühlings, Zeiten des Pflanzens, Zeiten des Wartens, Zeiten des Wachsens und Zeiten der Ernte.

Manch einem mag die Situation der Kirche in unserem Land vielleicht eher an den Spätherbst erinnern und bisweilen wie eine Beerdigung anmuten.

Das Planen und Denken der Kirche scheint dann durchaus vergleichbar mit dem Vorhaben der Frauen am Ostermorgen. Sie gingen an das Grab, um den Leichnam Jesu mit Öl zu salben und ihm die letzte Ehre zu erweisen. Nach dem Motto: Er ist zwar tot – aber wir wollen ihn immerhin noch der Tradition entsprechend herrichten. Die Zukunftsperspektive ist zwar betrüblich, aber wir versuchen wenigstens das Bestehende soweit es geht zu erhalten und den Toten zu konservieren.

Doch dann kommt alles anders! Sie finden Jesus gar nicht. „Er ist nicht hier!“ Die Beerdigungsfeier wird abgesagt. Ihr sucht Ihn am falschen Ort! Die Frauen geraten zunächst in Verlegenheit – „Wie bitte? Was wird dann aus unserem Plan, aus der Totenklage, aus unserem Salböl?“

Dann ergreift sie Furcht – das Gewohnte, das Begreifliche, das scheinbar Unabwendbare ist zerbrochen – wie der Stein, der fest und unverrückbar vor dem Grabe lag. Dass Jesus nicht mehr im Grab liegt – das überfordert sie, das bringt ihr Weltbild ins Wanken, das erschreckt sie zutiefst. Sosehr sind wir wohl schon an den Tod und seine unwiderrufliche Macht gewöhnt.

Aber es bleibt nicht bei Verlegenheit und Erschrecken. Der Engel hat eine große Botschaft, voller Freude, voller Leben: „Er ist auferstanden!“ Etwas ganz Neues ist geschehen; etwas völlig Unerwartetes; etwas, das alles bisherige Denken und Planen weit übersteigt und durcheinanderwirbelt. Jesus hat den Tod besiegt! Ein für allemal. Für immer und ewig. Die alten Mächte des Todes: die Sinnlosigkeit, die Traurigkeit, die Enge und Dunkelheit, die Einsamkeit und die unaufhaltsame Vergänglichkeit – sie verlieren im Licht des Auferstandenen ihre Kraft. Sie müssen fliehen und verschwinden, wie die Finsternis vor dem hellen Licht.

Dieser auferstandene Herr lebt auch heute. Er ist gegenwärtig in unserer Kirche. Das hat er versprochen. Wo wir Ihn bei Seinem Wort nehmen und unser Vertrauen auf Ihn setzen, bekommen wir es mit Seiner Auferstehungskraft zu tun. Da bricht Neues auf. Da werden Menschen frei. Da zieht eine ewige Freude ein in unsere Herzen. Da hat die Kirche Zukunft. Da können wir voller Zuversicht an die Arbeit gehen. Sie wird nicht vergeblich sein.

Lassen wir uns nicht täuschen! Der Herr der Kirche ist nicht tot – Er lebt. Wir wollen den Lebenden nicht bei den Toten suchen. Denn dort ist er nicht – Er ist auferstanden!

Es grüßt Sie herzlich,

Ihr Vikar Tobias Liebscher