»Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.«

Ezechiel 36,26

Halten Ihre guten Vorsätze, mit denen Sie in das neue Jahr gegangen sind noch? Für viele ist so ein Jahreswechsel eine gute Gelegenheit, Bilanz zu ziehen, um dann festzustellen, dass künftig einiges anders werden müsste. Wir schmieden Pläne und nehmen uns vor, in diesem Jahr wirklich dran zu bleiben. Meistens aber stellen wir nach einiger Zeit fest, dass aus den guten Vorsätzen wieder nichts geworden ist. Wir merken, es ist nicht einfach, etwas zu ändern. Weil es schon schwer fällt, kleine Gewohnheiten zu ändern, brauchen wir von Grundlegendem gar nicht erst zu reden.

Diese Erfahrung gehört offenbar zu unserem Menschsein dazu. Die Jahreslosung greift diese Erfahrung auf. Gesagt waren die Worte einst dem Volk Israel. Als Vertriebene saßen sie fern der Heimat in Babylon im Exil. Der Prophet Ezechiel begriff den Sieg des babylonischen Königs und den damit einhergehenden Verlust der Heimat als Gottes Gericht für den anhaltenden Treuebruch des Volkes. Obwohl Ezechiel die Menschen wegen ihrer trotzigen Gesichter und harten Herzen im Namen Gottes schon seit langem gewarnt hatte, hatten sie seine Mahnungen in den Wind geschlagen.

In dieser trostlosen Situation des Exils hören die Menschen die Zusage: »Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.« Erstaunlich, dass der Prophet im Namen desselben Gottes den Menschen ein neues Angebot macht und tröstliches zu sagen weiß. Noch erstaunlicher, warum Gott selbst den Menschen ein neues Herz schenken und sie mit einem neuen Geist ausrüsten wird.

Er tut dies, weil er immer wieder erfahren musste, dass sein Volk nicht von sich ausin der Lage war, ihm treu zu sein und versucht nach seinen Geboten zu leben. Warum also macht Gott seinem Volk solch ein großartiges Geschenk? Die Antwort, die Ezechiel gibt, ist verblüffend. Es geschieht nicht zuerst um seines Volkes willen. Gott tut es für sich selbst. Denn er möchte nicht, dass angesichts des Zustandes der Welt und des Umgangs untereinander die Spötter sagen: »Wo ist denn euer Gott?«.

Deshalb kann er nicht mehr zuschauen wie seine Schöpfung zerstört wird, und seine Geschöpfe sich selbst zugrunde richten. Darum möchte er uns anders haben. Deshalb schenkt er uns das neue Herz und den neuen Geist. Das klingt zunächst merkwürdig. Merkwürdig vor allem deshalb, weil Gott sich nicht beleidigt zurückzieht, so wie wir es von uns kennen, sondern mit den Menschen einen neuen Anfang wagt.

Er gibt nicht auf. Er sagt nicht »Schluss aus und vorbei«. Im Gegenteil, er entscheidet sich für einen neuen Anfang, für sich selbst und für uns. Warum tut Gott das? Weil er will, dass an uns, an unserer Art und Weise wie wir leben und miteinander umgehen, etwas von Gott, von der Schönheit seiner Schöpfung und seiner Liebe zu seinen Geschöpfen zu erkennen sein soll.

Das neue Herz und der neue Geist mögen uns dabei helfen, immer wieder einen Anfang mit unseren Vorsätzen zu wagen.

Möge Gott uns im neuen Jahr darin bestärken und stützen.

Ihr Pfarrer Matthias Weber