Title: Angedacht
Subtitle:
Author:

»Gesegnet aber ist der Mensch, der sich auf den Herrn verlässt und dessen Zuversicht der Herr ist.«

Jeremia 17,7

Die nächsten Tage des Kirchenjahres halten zwei Sonntage bereit, die gegensätzlicher nicht sein können. Das Erntedankfest und den Ewigkeitssonntag.

Hier die ganze Fülle des Lebens, da die Besinnung auf dessen Endlichkeit. So unvereinbar beides erscheint, eine Gemeinsamkeit gibt es dennoch. Nämlich, sich auf den Herrn zu verlassen. Zu Erntedank freuen wir uns über das, was Gott uns schenkt, was wir zum Leben brauchen und an Gaben haben. All das ist Ausdruck seines Segens. Dass er uns diesen Segen auch weiterhin schenken wird, darauf möchte ich mich gern verlassen. Das erhoffe ich. Der Ewigkeitssonntag hingegen führt die andere Seite des Lebens vor Augen. Statt Lebensfülle das Ende des Lebens. Auch hier bleibt uns nichts Anderes, als uns auf ihn, den Herrn, zu verlassen. Gesegnet der Mensch, dem das möglich ist. Sich auf jemanden, auf etwas zu verlassen und zu vertrauen, ist nicht leicht. Dazu gehört Mut, viel Mut. Denn es ist eine Entscheidung gegen das, was uns so oft vor Augen ist, eine Entscheidung auch gegen den #+Zeitgeist, der uns gern einreden will, wir allein seien unseres Glückes Schmied, wir hätten alles in unserer Hand.

Sicher sind wir für Vieles in unserem Leben selbst verantwortlich. Dennoch geschehen oder widerfahren uns Dinge in unserem Leben, die unserem Zugriff entzogen sind. Manches in unserem Leben verläuft nicht so wie erhofft und gewünscht. Wir erleben ein Scheitern, wir erleiden eine Krankheit, wir erfahren den Tod. In solchen Momenten drängen sich Fragen auf, die fast immer in dem einen Wort gipfeln: Warum?

Tragfähige Antworten sind rar. Manchmal braucht es Zeit sie zu finden, oftmals bekommen wir keine. In solchen Momenten wird es hilfreich sein, vertrauen zu können, dass es einen Gott gibt, der mitträgt, was nur schwer zu tragen und auszuhalten ist. Gesegnet, wer sich darauf verlassen kann, dass Gott mit uns und bei uns ist. Ich wünsche sehr, dass die Gottesdienste am Ewigkeitssonntag aber auch sonst die Möglichkeit bieten, Gottes Nähe, seinen Beistand und Trost zu spüren, dass im Gottesdienst seinen Platz findet, was uns klagen und trauern lässt, aber auch das, was gut ist und fröhlich stimmt.

Und, dass der Gottesdienst ein Ort ist, an dem ich mich in einer Gemeinschaft von Menschen befinde, die sich auf Gott verlassen wollen. Menschen, denen das einmal mehr und einmal weniger gelingt. Ein Ort, an dem Gott da ist und zuhört. Darauf will ich mich verlassen. Auch darauf, dass er uns in den Krisen unseres Lebens wahrnimmt. Dass er versteht, warum ich ihn manchmal nicht verstehe. Dass er mich aufrichtet, anstatt mich zurechtzuweisen. Dass er beschädigtes Vertrauen heilt und neues wachsen lässt. Dass er mir die Augen öffnet, wo ich nicht mehr durchblicke. Danach jedenfalls sehne ich mich, das erhoffe ich. Was es jeweils bedeutet, sich auf Gott zu verlassen, werden wir immer wieder neu lernen und erfahren müssen. Allein und gemeinsam. Gott schenke, dass wir uns als von ihm Gesegnete erfahren, damit wir getrost und mit Zuversicht unseren Weg gehen.

Ihr Pfarrer Matthias Weber


Go back to the regular design...