Title: Angedacht
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»Siehe, ICH BIN bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.« Matthäus 28,20

Einer meiner früheren Klassenkameraden – gescheiter als die meisten von uns – ist Astrophysiker geworden. Auf der ganzen Erde hat er durch Riesenteleskope ins Weltall geschaut und die großen Entfernungen zwischen den Galaxien berechnet: in Lichtjahr-Millionen! – Sein Zwillingsbruder, ebenfalls ein sehr gescheiter Mensch, spöttelt zuweilen über ihn: »Was der da rechnet, versteht er selber nicht …«

Ich glaube: Eine Lichtjahrmillion, also die Entfernung, die ein Lichtstrahl in einer Million Jahre zurücklegt, kann sich niemand vorstellen. Genauso wenig kann ich mir Gott vorstellen, der über den Galaxien »thront«, alles beherrscht, weil er alles geschaffen hat. Der Himmel Gottes ist unanschaulich geworden. Meine Fantasie scheitert, wenn sie versucht, ein Gottesbild zu zeichnen, das hier passt. – Ich kann nur »blind« an IHN glauben.

Wie kommen wir aber darauf, in der Kirche von Gott in konkreten Bildern und Aussagen zu sprechen, Ihn z. B. unseren Vater zu nennen? Woher kennen wir ihn? (Oder ist dieser »Vater« nur eine Projektion unserer menschlichen Sehnsucht an den Himmel, eine fromme Erfindung?) Es gibt ein »Nadelöhr«, durch das die Kenntnis GOTTES zu uns Menschen gekommen ist: Jesus von Nazaret. Um die Zeitenwende von Maria geboren, hat er als Mensch unter Menschen ungefähr 30 Jahre lang gelebt, in jeder Beziehung uns Menschen gleich. Die Kirche hört auf Seine Worte und gedenkt an die Ereignisse Seines Lebens.

In diesen Tagen vor Ostern erinnert z. B. die rot gestickte Dornenkrone auf dem neuen Altarparament unserer Kirche und das Kreuz, das seinen Schatten auf die Tür hinter dem Altar wirft, an den schmachvollen Tod Jesu (siehe Titelbild). Und wenn wir auf dem Altar Abendmahl feiern, tritt der Auferstandene in unsere Mitte und schenkt sich uns.

Niemand hat Gott je geschaut. Kein menschlicher Verstand kann IHN begreifen. Aber Jesus, der einzige Sohn Gottes, der Ihn kennt und an Seinem Herzen ruht, ER hat Kunde gebracht. In der Kirche versammeln wir uns in seinem Namen, weil wir Ihm vertrauen.

Der Monatsspruch, der im Matthäusevangelium überliefert und oben zitiert ist, gehört zu den letzten Worten, die Jesus auf dieser Erde gesprochen hat. Abschiedsworte – und doch sagen sie das Gegenteil: ICH BIN BEI EUCH. Ich bleibe in Eurer Nähe an jedem Tag, immer und überall. Ich gehe euch voran auf das »Nadelöhr« zu, durch das ich zu euch gekommen bin und durch das wir gemeinsam heimkehren werden zu dem unbegreiflichen Gott, der euer aller Vater ist.

Ich stelle mir vor: Meine beiden Klassenkameraden schauen mir jetzt über die Schulter, lesen diesen Text und fragen mich: Verstehst du das? Ich muss antworten: Nein, nicht wirklich. Aber wir drei haben in unseren langen Leben zu Jesus Christus aufgeschaut und die Erfahrung gemacht: Immer und überall ist ER bei uns gewesen, und nun vertrauen wir: Bis ans Ende unserer Tage bleibt ER bei uns. ER, der selbst den letzten Winkel des Weltalls kennt.

Gesegnete Ostern wünscht

Ihr Pf. i. R . Christian Schreier


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