Title: Angedacht
Subtitle:
Author:

»Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.«

1. Johannes 4,16

»All you need is love« – so sangen die Beatles Ende der 60er Jahre. Und so denken sicher auch heute noch die meisten Menschen: »Alles, was du brauchst, ist Liebe.«

Das wird wohl auch kaum jemand bestreiten: dass Liebe das Wichtigste im Leben ist. Was wäre unser Leben ohne die Liebe der Eltern, ohne die Liebe der Familie, ohne die Liebe unserer Freunde, ohne die Liebe unserer Ehepartner, ohne unsere eigene Liebe zu uns selbst und erst recht ohne unsere Liebe zu den anderen, den Schwachen, Fremden und Hilfsbedürftigen? Was wäre das sonst für ein dunkles, sinnloses und verzweifeltes Dasein! Erst die Liebe macht alles schön.

Und doch: Man kann diesen Satz aus dem Neuen Testament nicht einfach umdrehen und sagen: »Die Liebe ist Gott.« Sicher: Die Liebe all der Menschen, die ich eben beschrieben habe, ist das höchste Gut in dieser Welt.

Doch gerade deshalb steht diese Liebe – mehr als alles andere und heute mehr denn je – in der Gefahr, mit dem echten Gott verwechselt zu werden. Nein, diese Liebe ist nicht Gott. Sie ist allenfalls ein Spiegelbild, ein Abglanz seines Wesens. Sie ist und bleibt unvollkommen. Sie kann und wird uns nie vollkommen glücklich machen. Sie ist nicht das Ziel und der Sinn aller Dinge.

All diese hohen Ansprüche an die menschliche Liebe werden sie letztlich immer überfordern. Sie führen zwangsläufig zu Enttäuschungen. Wenn wir die menschliche Liebe zu unserem »Gott« machen, wird sie allzu schnell zum Götzen. Und die falschen Götzen halten nie ihre Versprechungen. Das müssen viele sehr bitter erfahren.

»Gott ist die Liebe.« Dieser Satz erinnert uns daran, für wen wir geschaffen wurden; wozu es uns überhaupt gibt. Allein Gott ist die Liebe, die wir mehr als alles andere brauchen. Allein Gott ist die Liebe, die ewig hält, die vollkommen ist, die alles mit uns gut machen kann und will. Es ist gut, dass wir Liebe von Menschen erfahren, dass wir uns danach sehnen, geliebt zu werden und dass wir auch anderen unsere Liebe schenken! Und doch merkt wohl jeder, der aufrichtig solche Liebe sucht und aufrichtig zu lieben versucht: Die wahre Quelle der Liebe liegt nicht in uns selbst. Unsere Liebe stößt an ihre Grenzen, sie ist unbeständig und oft von unseren Gefühlen abhängig.

Gottes Liebe ist ewig. Sie ist treu. Und sie kann auch dort lieben, wo für unser Empfinden nichts Liebenswertes mehr zu entdecken ist. Gott liebt den Sünder. Mich. Er liebt mich nicht, weil ich ja so ein liebenswerter Typ bin – sondern gerade, wenn ich mich für mich selbst in Grund und Boden schäme. Seine Liebe besteht völlig unabhängig von dem, wie ich bin oder was ich tue. Und nur deshalb kann ich mich ihr restlos anvertrauen.

»All you need is God« – »Alles, was du brauchst, ist Gott.« Wie wäre das, in ein solches Lied mit einstimmen zu können?

Es grüßt Sie herzlich,

Ihr Vikar Tobias Liebscher


Go back to the regular design...