Title: Angedacht
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»Suche Frieden und jage ihm nach.«

Psalm 34,15

Kurz und knapp ist das Losungswort, das uns die Ökumenische Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen als Leitvers für das Jahr 2019 mit auf den Weg gegeben hat.

»Suche Frieden und jage ihm nach.« Ein Wort zum Frieden. Wir werden schnell zustimmen können und sagen: Nichts scheint heute nötiger denn je. Dabei denken wir zuerst an die vielen Kriege und bewaffneten Auseinandersetzungen im Nahen und Mittleren Osten. Wir verfolgen mit gemischten Gefühlen Russlands aggressive Politik der Ukraine gegenüber.

Wir denken an die gegenseitigen Vorwürfe der Amerikaner und Russen, den INF-Vertrag gebrochen zu haben und an dessen angedrohte Aufkündigung. Auch der innere Friede und der Zusammenhalt innerhalb unserer Gesellschaft macht Sorge.

»Suche Frieden und jage ihm nach.« Auf den ersten Blick klingt das einfach. Mit etwas gutem Willen müsste das schon gehen, so könnte man meinen. Beim genaueren Hinschauen merken wir, was so einfach klingt, ist so einfach gar nicht in dieser komplexen und komplizierten Welt. Doch nicht nur dort. Schon beim Blick auf unsere eigene kleine Welt wird das deutlich. Auch in unseren Familien, im Betrieb, in der Nachbarschaft ist ein friedlicher Umgang nicht selbstverständlich. Jedenfalls ist ein friedliches Miteinander nicht immer und nicht voraussetzungslos da. König David, dem der Psalm, aus dem die Jahreslosung stammt, zugeschrieben wird, wusste offenbar darum. Er wusste, wie notwendig es ist, nach Frieden zu suchen, Frieden zu halten, Frieden zu bewahren, wenn das Leben gut werden soll, das eigene und das Miteinander mit anderen Menschen.

Frieden suchen, ihm nachjagen, wie kann das gehen? Ich denke, den Frieden muss ich wohl zuerst in meinem Herzen suchen. Diesen finde ich vielleicht am ehesten, wenn ich mir immer wieder versuche deutlich zu machen, dass Gott mit mir seinen Frieden geschlossen hat, und dass er ihn mir immer wieder anbietet. König David hat das für sich erfahren, trotz seiner Unzulänglichkeiten, trotz seiner Fehler und seiner Schuld. Gott war es, der an ihm festhielt und mit ihm Frieden schloss. Gott geht auch auf uns zu und schenkt uns seinen Frieden, trotz allem. Auf diese Weise können wir unseren inneren Frieden finden. So mit uns selbst und Gott im Reinen, dürfte es leichter fallen, erste Schritte auf den anderen zuzugehen, um miteinander Frieden zu suchen. Denn wo wir vertrauen können, dass wir von Gott angenommene Menschen sind, muss uns untereinander nichts mehr so entzweien, dass es nicht zu überwinden wäre. So würde Frieden möglich oder bliebe gewahrt.

»Suche Frieden und jage ihm nach.«, das ist die Herausforderung, vor die uns die Jahreslosung stellt. Zugleich erinnert sie uns an die tiefe Sehnsucht nach einer heilen und unversehrten Welt, in der nicht nur die Waffen schweigen, sondern alle Feindschaft überwunden ist. Dass wir diese Sehnsucht 2019 in uns wachhalten, dass wir jeder für sich und miteinander nach Frieden suchen, und dass wir an der Hoffnung festhalten, dass Gott uns seinen Frieden schenken wird, wünscht

Ihr Pfarrer Matthias Weber


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