Title: Angedacht
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»Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.«

Offenbarung 21,6b

Hier gibt’s was »umsonst« – als »Schnäppchen«, im Ausverkauf? Nein. So »billig« – und damit eigentlich langweilig – ist bei Gott nichts.

Aber Gnade ist alles. Gratis – aus purer Gnade, ohne Gegenleistung – so bekommen wir von Gott alles. Von Anfang an. Bis zum Ende.

Wir Mitteleuropäer wissen heute kaum noch, was Durst ist. Bei den ersten Hörern, den Menschen im Orient, war das etwas völlig Anderes! Sie kannten die Wüste, die stechende Sonne, die ausgetrockneten Lippen. Selbst das brennende Bedürfnis nach Erfrischung, das ich nach einer langen Wanderung empfinde, ist wahrscheinlich nichts im Vergleich dazu.Wir müssen uns erst einmal bewusst machen, was Durst überhaupt bedeutet – und auch, was »Wasser«, einfaches, frisches Quellwasser für ein unfassliches Labsal sein kann.Durst – das ist tiefstes Verlangen, das unbedingt gestillt werden muss. Wer wirklich Durst hat, geht zugrunde, wenn er nicht so schnell wie möglich etwas zu trinken bekommt. Durst – das ist wie ein Schrei nach Leben!So und nicht anders ist unsere Situation gegenüber Gott. Er selbst ist die Quelle des Lebens (Ps 36,10). Darum ruft Jesus uns zu: »Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!« (Joh 7,37).

Wir aber sind ihm gegenüber nichts anderes als der reine Durst, die trockene, dürre Leere, die gefüllt werden will. Ohne ihn sind wir nichts. Er ist für uns alles. Er ist das A und das O, der Anfang und das Ende. Ohne ihn bliebe in uns nichts als ein ewiges, grausames, unstillbares Verlangen.Jeder Mensch hat diesen tiefen Durst in sich. Es kann zwar sein, dass man ihn nicht mehr spürt; dass man sich daran gewöhnt hat, ihn mit etwas anderem zu überspielen; oder dass man Angst hat, ihn zuzulassen. Aber er ist da. Ihn stillen auch nicht die vielen falschen, viel zu billigen Durstlöscher – die doch niemanden für immer lebendig machen. »Denn mein Volk tut eine zweifache Sünde: Mich, die lebendige Quelle, verlassen sie und machen sich Zisternen, die doch rissig sind und das Wasser nicht halten.« (Jer 2,3)Nein, billig ist dieses »Wasser« aus der Quelle Gottes nicht. Für ihn selbst ist es unfassbar teuer: Es fließt aus seinem zerbrochenen Körper am Kreuz. Und doch ist es Leben, unaufhörliches, kostbares, überfließendes Leben. Es ist die ewige Kraft, die Jesus von den Toten auferweckt hat; mit der er auch uns – jetzt und für immer – aus dem Tod herausreißen kann.

Jeder, der will, bekommt es geschenkt. Umsonst – für alle, die wirklich durstig sind. »Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir.« (Ps 42,2f)

Umsonst – denn es ist unbezahlbar. Allein Jesus hat es für mich bezahlt. Umsonst – aber nicht vergeblich. Denn der Auferstandene wird meinen tiefen Durst nach dem wahren Leben wirklich stillen. Nicht so, dass ich es dann irgendwann einmal »satt« hätte – sondern so, dass es immer neu und frisch sein wird. Ein »Wasser«, das mich in alle Ewigkeit mit lauter Leben erfüllt.

Es grüßt Sie herzlich,

Ihr Vikar Tobias Liebscher


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