Title: Angedacht
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»Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.«

Lukas 15,10

 

Liebe Schwestern und Brüder,

»Buße« klingt nach einem alten Wort. Und es klingt auch nach einer eher unangenehmen Sache. Für etwas »büßen« zu müssen, will wohl keiner von uns gern. Man denkt vielleicht an das »Bußgeld« oder sonst eine Art Strafe.

Dabei hat das Wort in der Bibel eine andere Bedeutung. »Buße tun« heißt bei Jesus: umkehren. »Kehrt um und glaubt an das Evangelium« – das ist der Kernsatz seiner Verkündigung. »Umkehren« bedeutet, sich von etwas abzuwenden und etwas anderem zuzuwenden. Jesus will, dass wir uns abwenden von allem, was uns von Gott trennt – und uns hinwenden zu Ihm. In dem Gleichnis, dass Jesus im Lukasevangelium 15 erzählt, ist es allerdings Gott selbst, der den verlorenen Menschen sucht. So, wie eine Frau, die eine wertvolle Münze verloren hat und solange sucht, bis sie sie wiederfindet.

Gott sucht uns. Er macht sich damit unendlich viel Mühe! So sagt Er es schon im Alten Testament: »Du hast mir Arbeit gemacht mit deinen Sünden und hast mir Mühe gemacht mit deinen Missetaten.« (Jesaja 43,24).

Die ganze Zeit unseres Lebens ringt Gott darum, dass wir ihm unser Herz öffnen; dass wir aus unserer Verlorenheit zu Ihm zurückkehren und Frieden finden. Denn das kann niemand einfach so von sich selber aus tun. Es ist ein Geschenk Gottes, wenn ein Mensch tatsächlich Buße tun kann. »Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet?« (Römer 2,4)

Darum ist es auch Gottes größte Freude, wenn seine Mühe und Arbeit um uns tatsächlich dazu führt, dass jemand anfängt, sich für Ihn zu öffnen. Aber nicht nur Gott allein – sondern der ganze Himmel, alle Engel brechen dann in Jubel aus.

Und das schon bei nur einem Sünder! Ich darf mir also klar machen: Den ganzen Aufwand, die viele Mühe, dass Gott selbst Mensch wird und elend am Kreuz stirbt, dass Er mir so weit entgegenkommt und mich sucht – all das würde Er auch dann tun, wenn ich der Einzige wäre, dem das gilt. Für mich, für mich hat Er das alles getan!

Wenn nun die Buße nicht nur für Gott, sondern auch für alle Engel so eine riesige Freude ist – wieviel mehr sollte sie dann für uns eine Freude sein! Wenn uns in unserem Glauben vielleicht manchmal die Freude fehlt, erinnert uns Jesus daran: Die Quelle der Freude liegt in der Buße. Darum mache ich uns Mut, täglich dieses Geschenk Gottes anzunehmen. Wir dürfen alles, was uns belastet, wo wir schuldig geworden sind, wo wir uns von Gott entfernt haben, offen und ehrlich vor ihm aussprechen – einfach mitten am Tag oder auch als Gebet am Abend. Er will uns heilen und vergeben. Das ist nie billig, sondern die größte Würdigung, die ein Mensch von Gott erfahren kann. Dann zieht etwas von der Freude des Himmels ein in unser Herz.

Es grüßt Sie herzlich

Ihr Vikar Tobias Liebscher


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