Title: Angedacht
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»Der auferstandene Christus spricht zu seinen Jüngern: »In meinem Namen wird gepredigt Buße zur Vergebung der Sünden unter allen Völkern. Von Jerusalem an seid ihr dafür Zeugen. Und siehe, ich sende auf euch, was mein Vater verheißen hat. Ihr aber sollt in der Stadt bleiben, bis ihr angetan werdet mit Kraft aus der Höhe.«

Lukas 24,47-49

»Der Tod hat nicht das letzte Wort, Schuld wird vergeben, die Liebe siegt!« Wir Christen haben eine faszinierende Botschaft, die auf die tiefste Sehnsucht der Menschen antwortet: Sehnsucht nach Leben, Freiheit, Liebe. Dennoch erfahren wir, wie diese Botschaft trotz aller oft kreativen Bemühungen vielen Menschen unverständlich, ja gleichgültig bleibt. Wie sollen wir damit umgehen?

Vielleicht ähnelt unsere Situation der Lage der Jünger zwischen Himmelfahrt und Pfingsten. Der auferstandene Christus hat den Auftrag zur Verkündigung gegeben und die Kraft hierfür in Aussicht gestellt. Aber er schickt sie nun nicht gleich auf die Straßen, sondern fordert sie auf, in der Stadt zu bleiben, bis ihnen »die Kraft aus der Höhe« zuteil wird. Damit ist der Heilige Geist gemeint, der Glauben weckt und Liebe entzündet, sodass Menschen gerne zu Gott kommen und ihr Leben mit Gott führen.

Zu Pfingsten ist dies tatsächlich geschehen und hat zur Entstehung der christlichen Kirche geführt. Solche Ausgießungen des Heiligen Geistes haben sich immer wieder ereignet – bis heute; sie können nicht gemacht, sondern nur erbeten werden. Es gibt also Zeiten, wo wir bleiben und warten sollen. Bleiben – das zeigt sich in der Treue zu dem Glauben, den wir empfangen haben, in dem unaufdringlichen Dienst der Liebe, in der Kontinuität des Gemeindelebens, auch wo es Rückschläge gibt. Zum Bleiben kommt das Warten. Im Warten gebe ich mich nicht einfach zufrieden mit der vorhandenen Situation, sondern ich strecke mich aus nach dem, was Gott verheißen hat, und dieses Ausstrecken kann die Form des Gebets annehmen: »Komm, Heiliger Geist!«

Was wir in unseren Pfingstliedern singen, das ist eine Bitte, die das ganze Jahr über gilt – für die ganze Kirche, für unsere Gemeinde, für mein persönliches Leben. Manchmal liegt zwischen unserem Auftrag und dem Empfang der Kraft eine Durststrecke – länger als die Tage zwischen Himmelfahrt und Pfingsten. Aber weil Gott treu ist, dürfen wir darauf vertrauen, dass er zu seiner Zusage steht.

Auf dieser Strecke sind wir nicht allein: Nachdem Jesus seine Jünger zum Bleiben und Warten aufgerufen hat, hebt er die Hände auf und segnet sie. Sein Segen ist bei seiner ganzen Christenheit geblieben und gilt auch uns; täglich dürfen wir uns unter diesen Segen stellen – in jeder Situation, ob wir uns freuen oder traurig sind, ob wir Erfolg oder Misserfolg haben. Und dann kann es plötzlich geschehen, dass wir mit der »Kraft aus der Höhe« erfüllt werden und dass uns bei unserem Dienst eine Leichtigkeit und eine ansteckende Freude geschenkt werden.

Dass Sie Geduld zum Bleiben und Warten haben und dann die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, das wünscht Ihnen

Ihr Pfarrer Manfred Kießig


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