Title: Wachau
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Aus der Geschichte der Wachauer Kirche

Die Pfarrkirche von Wachau wird 1393 mit je einer Filialkirche in Probstheida, Holzhausen und Zuckelhausen erwähnt. Sie erhielt vermutlich 1465 eine in diesem Jahre gegossene Glocke. Bis Anfang des 16. Jahrhunderts gehörte Wachau dem Kloster Buch bei Grimma. Im Jahr 1540 wird die Wachauer Kirche als Filialkirche Probstheidas und ab 1580 als Filialkirche Cröberns bezeichnet. Seit 1581 ist die Wachauer Kirchgemeinde die Schwesterkirche von Cröbern. Seit dieser Zeit bis 1972 betreute der in Cröbern wohnende und amtierende Pfarrer auch die Wachauer Kirchgemeinde. Seitdem Cröbern dem Braunkohletagebau zum Opfer fiel, wird die Kirchgemeinde Wachau von Störmthal mitverwaltet.

In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges wird im Totenregister des Jahres 1633 die Stiftung eines Vermächtnisses vermerkt. Jochen Hübschers Tochter Gertrudis sollte den vom Feinde beraubten Altar von Neuem bekleiden.

Im Jahre 1650 fordert der Kirchenvorstand die Gemeindeglieder wiederholt zu Geldspenden für das schadhafte Kirchengestühl auf:

"Weil die Kirchenstühle in den Kriegsjahren verderbet sind und die Kirche selbige wiederum von ihrem Einkommen müssen bauen und repariren lassen, Alß sollen die semplichen Untherthanen des Dorfes Wachau ihre Stände lösen und vor einen Mannesstandt 6 Groschen und vor einen Weiberstandt 4 Groschen erlegen ..."

Die damalige kleine und beengte Kirche wurde 1713 wesentlich erweitert und renoviert.

Die Wachauer Gemeinde beschloß 1860 das Schwesternkirchverhältnis mit Cröbern zu lösen und selbst einen Pfarrer anzustellen. Zu diesem Zweck sollte eine neue Pfarre gebaut werden. Doch der Kirchenpatron und Rittergutsbesitzer Ferdinand Wilhelm Weinschenk legte dagegen Einspruch ein. Er gab zu bedenken, daß die Kirche trotz beträchtlichen Vermögens die entstehenden Kosten ohne die Gemeinde nicht decken könne. Er gab ferner auch eine wesentlich höhere Bezahlung der Pfarrstelle zu bedenken. Da die alte Wachauer Kirche durch die Völkerschlacht zudem arg in Mitleidenschaft gezogen war, wurde der Abriß der alten und der Aufbau einer neuen und größeren Kirche beschlossen.

Die Kircheninspektion bewilligte umgehend 20.000 Taler aus dem Kirchenvermögen für den Neubau. 1860 wurde ein Architekten-Wettbewerb ausgeschrieben. Den Preis von 150 Talern für den besten Entwurf erhielt kein Geringerer als der Leipziger Konstantin Lipsius. Der Entwurf sah ein im neogotischen Stil gehaltenes Gotteshaus vor.

Zu Pfingsten 1865 wurde mit dem Bau begonnen. Die Bauausführenden waren:

Maurermeister                              Otto Klemm, Leipzig

Maurermeister                              Robert Bauer, Leipzig

Zimmermeister                              Krah, Liebertwolkwitz

Steinmetzmeister                          Friedrich Gustav Damm, Leipzig

Uhrmachermeister                        Bernhard Zachariä, Leipzig

Glockengießer                              G.A. Jauck, Leipzig

Orgelbau                                      Gebrüder Kreuzbach, Borna

Gestühl                                       Kunsttischler Schneider, Leipzig

 Die Glocken goß die Firma Jauck, die die alten Glocken als Rohmaterial aufkaufte. Die Orgel wurde aufgrund ihres ausgezeichneten Werkes gerühmt. Der Neubau kostete nach Abschluß sämtlicher Arbeiten insgesamt 49.000 Taler. Die Restsumme von 29.000 Talern genehmigte die Kreisdirektion.

Die Einweihung der Kirche war am 26. November 1867, vormittags 9 Uhr 30. Gerichtsamtmann v. Petrikowski hielt vor der Kirchentür eine Ansprache und übergab den Schlüssel an Pfarrer Wilhelm Rosenthal. An dem anschließenden Festessen nahmen Behörden, Gemeinde und Gäste teil. Der geheime Regierungsrat Amtshauptmann Dr. Platzmann schenkte der Kirchgemeinde ein silbernes Taufbecken.

Rittergutsbesitzer Weinschenk resümierte: "... die Kirche ist ein Kunstwerk, nur leider ist an manchen Tagen die Akustik nicht gut."

 Bereits 1867 und 1868 stürzten bei orkanartigen Stürmen alle vier Fialen (Spitztürmchen) herunter.

Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden erste Erhaltungsarbeiten notwendig.

Bei dem schweren Luftangriff auf Leipzig am 4. Dezember 1943 explodierte eine britische Luftmine auf dem Gelände des Rittergutes. Die Druckwelle riß Löcher in das Kirchendach und etliche Bleiglasfenster zerbarsten.

Am 27. Februar 1945 trafen amerikanische Brandbomben den Turm und die Sakristei.

Die drei großen Bronzeglocken wurden für die deutsche Rüstungsindustrie zerbrochen. Ihre Trümmer blieben auf dem Hamburger Glockenfriedhof liegen.

In der schweren Nachkriegszeit war an eine ausreichende Reparatur der Kriegsschäden nicht zu denken.

Auch in der Folgezeit – bedingt durch die Mangelwirtschaft in der DDR, ihre kirchenfeindliche Haltung, fehlendes Geld und die Größe der Wachauer Kirchgemeinde – war an eine umfangreiche Restaurierung der Kirche nicht zu denken. Wind und Regen konnten so ihr zerstörerisches Werk ungehindert fortsetzen.

1956 wurde das letzte Paar in der Kirche getraut. Seit den sechziger Jahren gab es keine Taufen mehr in der Kirche. Die Gottesdienste wurden nun im Gemeindehaus gefeiert.

In der Nacht vom 3. auf den 4. Juli 1974 schlug ein Blitz in den 65 m hohen Turm ein, jedoch ohne wesentliche Schäden anzurichten. Dennoch war das Schicksal der Kirche war besiegelt.

Wegen Einsturzgefahr wurde der Turm im April 1975 abgerissen. Geblieben ist ein abgedeckter Stumpf. Da die Trümmer einfach in das Kirchenschiff geschüttet wurden, zudem die Abrißbrigade auch auf den erhaltenswerten Figurenschmuck des Kirchenschiffes keine Rücksicht nahm, wurde die Kirche vollends zur Ruine. Wie durch ein Wunder blieb das Uhrwerk erhalten. Auch die kleinste und älteste der Wachauer Glocken aus dem Jahre 1465 läutet noch.

1989 wurde die Ruine unter Denkmalschutz gestellt, Fördermittel zur Konservierung wurden beantragt.

Mit Hilfe der Kirchlichen Erwerbsloseninitiative und der Unterstützung der ortsansässigen Firmen Kopsch, Wiesner und der Recycling GmbH Silberschacht gelang es der Kirchgemeinde 1993 das Kirchenschiff zu beräumen.

Dank der finanziellen Förderung durch das Leipziger Regierungspräsidium begannen im Frühjahr 1995 die Sicherungsarbeiten an der Apsis der Ruine. Im Sommer des Jahres erfolgte die Sicherung der Mauern auf der Südseite. 1996 wurden die Arbeiten an der Nordseite fortgesetzt. Ein neuer Fußboden wurde gelegt; Altar und Taufstein saniert. Ende des Jahres konnte die dem Schiff zugewandte Seite des Turmes und der äußere Treppenaufgang gesichert werden.

Mit einem Gottesdienst am 11. Mai 1997 wurde die Kirchenruine Wachau eingeweiht. Seither versammelt sich die Gemeinde bei schönem Wetter im Sommerhalbjahr zum Gottesdient in der Ruine. Großer Beliebtheit erfreuen sich Konzerte im Sommerhalbjahr.


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