Kirche zu Güldengossa

Baugeschichtlich wissen wir aus früherer Zeit über die Güldengossaer Kirche nur sehr wenig. Mit Sicherheit wird am heutigen Standort der Kirche eine Kapelle gestanden haben, in der sich die Menschen zum Gottesdienst versammelten, Kinder getauft, junge Paare getraut und Menschen beerdigt wurden.

Seit 1532 werden die Gottesdienste in den nahegelegenen Dörfchen Holzhausen und Zuckelhausen, im Ernestinischen Kursachsen gelegen, von lutherischen Pfarrern gehalten. Auch Einwohner Güldengossas sind aus dem albertinschen Sachsen des katholischen Herzogs Georg dem Bärtigen "ausgelaufen", um an der neuen Glaubenslehre Anteil zu haben. Freilich riskierten sie damit nach einem Erlaß des Herzogs die Ausweisung aus dem Lande bzw. Strafe an Leib und Gut. Erst mit dem Tod Georg des Bärtigen im Frühjahr 1539 und der Übernahme der Regierung durch Georgs Bruder Heinrich setzt sich auch in unserer Gegend die Reformation durch. Vermutlich wurde der erste evangelische Gottesdienst in Güldengossa bereits im Juni 1539 gefeiert.

Ein Jahr später, 1540, wird eine Pfarrkirche in Güldengossa erwähnt. Das hieße, daß Güldengossa eine eigenständige Kirchgemeinde gewesen sei. Das ändert sich vermutlich mit dem Jahre 1580. Güldengossa wird eine Filialkirche von Liebertwolkwitz. Dem sächsischen Pfarrerverzeichnis ist zu entnehmen, daß Güldengossa bis 1600, ebenso wie Großpösna, von Liebertwolkwitz aus mit versorgt worden ist. Mit Valentin Rötel, 1580 in Connewitz geboren, ist der erste Güldengossaer Pfarrer wieder nachweisbar.

Zuverlässigere Informationen über die Kirche erhalten wir erst wieder durch die Ereignisse des Dreißigjährigen Krieges. So soll die Kirche im Jahr 1636  von marodierenden schwedischen Truppen in Brand gesteckt worden sein. Ihr Wiederaufbau erfolgte bald. Ein Grundriß, der 1721 in dem Turmknopf eingelegt wurde, gibt ein wenig Auskunft über das Bauwerk. Ob diese Kirche einen Fachwerkturm hatte, der über dem Chor errichtet wurde, oder ob es sich um eine turmlose Kirche handelte, ist nicht zu belegen. Von diesem Bau sind keine sichtbaren Merkmale vorhanden. Allerdings fand sich bei restauratorischen Untersuchungen auf der Südwand oberhalb der Empore eine Fensteröffnung mit Putz und Farbfassung.

Im Jahre 1720 erwirbt Johann Ernst Kregel von Sternbach das Rittergut Güldengossa. Von Sternbach ließ 1721 aus eigenen Mitteln die Kirche dem Zeitgeschmack entsprechend barock umbauen. So wurde die Kirche nach Osten hin erweitert, ein neuer Altar und eine neue Kanzel fanden in diesem Raum ihren Platz. Beide wurden als "durch schöne Schnitzarbeit und Vergoldung geziert", beschrieben.

Ebenso erhielt der Turm zwei neue Glocken, eine große und eine kleine, die von Sternbach und seine Frau stifteten.

Pfarrer Wilhelm Friedrich Wlömen, seit 1815 in Güldengossa im Amt, schreibt rückblickend, daß die Kirche des Ortes eine der schönsten in der Leipziger Ephorie gewesen sein muß.

Ob mit dem barocken Umbau der Kirche auch der Bau einer (neuen) Orgel in Betracht gezogen wurde ist unklar. Interessant wäre eine Auskunft darüber, denn fast zeitgleich wurde eine neue Orgel von Zacharias Hildebrandt im nur 3 km entfernten Störmthal gebaut, die schließlich auch Johann Sebastian Bach in unsere Gegend führte.

Belegt ist, daß der bereits erwähnte Pfarrer Wlömen, vom Abschluß eines "Accord" mit dem Leipziger Orgelbauer Mende zum "Anbau einer neuen Orgel" berichtet. Diese neue Orgel sollte das alte Positiv ersetzen. Nach Auskunft des  Kamenzer Orgelbuches von Paul Rubardt und Klaus Jentzsch ist der Neubau der Orgel schließlich 1840 ausgeführt worden.

Mit der Völkerschlacht bei Leipzig, den Gefechten bei Wachau, Liebertwolkwitz und Güldengossa, zieht neues Unheil für die Bewohner des Dorfes und unsere Kirche herauf. Vom 14. - 16. Oktober lagen die kleinen Ortschaften südöstlich von Leipzig im Aufmarsch und Kampfgebiet der an der Völkerschlacht beteiligten Armeen. Repressalien und Entbehrungen brachte das für die Bevölkerung mit sich. Tausende von Wachtfeuern umgaben am Abend des 14. Oktober Leipzig. "Was nur halbwegs brennen konnte, wurde herzugeschleppt. Alleen, Gärten und Häuser wurden zerstört. Dachsparren, Treppen, allerhand Geräte, Bücher, Gemälde wurden in die Flammen geworfen, ..."

Am morgen des 16. Oktober haben die Verbündeten  an der Südfront Güldengossa - Cröbern - Zöbigker - Prödel 130.000 Mann und 550 Geschütze herangezogen. Ihnen stehen auf der Linie Connewitz - Markkleeeberg - Wachau - Liebertwolkwitz - Probstheida 138.000 Mann und 488 Geschütze gegenüber. Güldengossa liegt mitten im Schlachtfeld. "Drei Mal ist es von den in seiner Nähe versammelten Truppen genommen worden, wobei Wohnungen und Eigenthum der Bewohner zerstöret, Kirche, Pfarre und Schule unbrauchbar und unbewohnbar gemacht wurden."

Dach, Turm, Kanzel und Altar unserer Kirche waren noch einigermaßen in Ordnung, Alles andere viel der "Verheerungssucht" der Truppen zum Opfer. Die Gerichtsstube diente der Gemeinde fortan als Versammlungsort. Es dauerte bis 1815, ehe Kirche und Pfarre wieder hergestellt waren..


Der Altar

1892 gibt es konkrete Pläne für einen Umbau der Kirche. Der Architekt und Sägewerksbesitzer Theodor Quentin aus Pirna unterbreitet konkrete Vorschläge für eine neugotische Gestaltung. Im Jahr 1893 werden die Umbaupläne verwirklicht. So wurden der Eingangsbereich und eine Sakristei an der West- bzw. Südseite angebaut.

Die heutige Ausstattung unserer Kirche - Altar, Kanzel, Tauf-Leseständer und das Gestühl - ist in dieser Zeit angeschafft worden, die Emporen wurden umgebaut. Der Altar wurde aus franz. Kalkstein gefertigt von Heinrich Schneider aus Copitz bei Pirna.

Freilich nicht alle Pläne Quentins sind verwirklicht worden. Wie auf der Abbildung zu erkennen ist, wurde auf die geplante Turmuhr verzichtet, ebenso blieb es nur bei einem Kostenvoranschlag für ein neues Geläut. Auch wurde die Holzdecke nicht wie dargestellt ausgeführt. Die kompletten Bauunterlagen im Pfarrarchiv geben Auskunft über die einzelnen Baumaßnahmen und die beteiligten Firmen. Diesen ist u. a. zu entnehmen, daß diese Kirche farbig gefaßte Fenster hatte.

Für eine Neugestaltung der Orgel liegt ein Kostenvoranschlag des Leipziger Orgelbauers Gottfried Hildebrand vor, der auch die Liebertwolkwitzer Kirchenorgel gebaut hat. An der Orgel gearbeitet hat schließlich die Firma Urban Kreutzbach´s Sohn aus Borna. Ob es zu einer Neugestaltung der Orgel kam ist nicht sicher. Der Preis von 386,00 Mark läßt eher darauf schließen, daß sich der Kirchenvorstand (aus finanziellen Gründen?) nur für eine Reparatur der Orgel entschied. Für diese Annahme spricht, daß 1927 die Orgelbaufirma Alfred Schmeißer aus Rochlitz eine neue pneumatische Kirchenorgel gebaut hat. Der Orgelprospekt wurde vom ortsansässigen Tischlermeister Martin Röthel nach vorgegebenen Plänen gefertigt.

Am 24. September desselben Jahres hat der Orgelbauer, Sachverständige und Organist zu St. Nikolai Karl Hoyer die Orgel "eingehend geprüft". Seinem Bericht ist zu entnehmen, "daß die Firma Schmeißer die schwierige Aufgabe, aus einer alten, ganz verwahrlosten Orgel ein modernes, klanglich und technisch voll befriedigendes Instrument zu schaffen glänzend gelöst hat. ... Die neue Orgel zu Güldengossa ist ein kleines Meisterwerk zu dem man die Gemeinde Güldengossa und den Erbauer der Orgel, Herrn Orgelbaumeister Alfred Schmeißer herzlichst beglückwünschen kann".

Zustand der Kirche Mitte der siebziger Jahre war sehr schlecht; 1975 stellt KV Bauantrag im Landeskirchenamt. 1976 – 1977 Sanierung des Turmes und des Kirchenschiffes (z. Teil unter großer Beteiligung der Güldengossaer Gemeindeglieder)

Eigentlich gab es auch Pläne für die Innensanierung, jedoch konnten sie auf Grund fehlender Mittel nicht verwirklicht werden.